top of page

Vinyl

Das erste monografische Album von David Eisenstadt in der Musikgeschichte

Aufgenommen im Jahr 2024 im Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN in Warschau

Match Match Ensemble

Lilianna Krych - Leitung

Wojciech Parchem - Tenor

Jakub Stefek - Harmonium

Manche Geschichten wollen nicht vergessen werden. Sie warten – auf diejenigen, die bereit sind, ihnen zuzuhören.

Das Projekt, aus dem dieses Album entstanden ist, wuchs aus der Stille. Aus dem jahrzehntelangen Schweigen, das eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des musikalischen Lebens im Vorkrieg-Warschau umgab – Dawid Ajzensztadt. Schon zu Lebzeiten war er eine Legende: Dirigent, Komponist, charismatische Figur der Warschauer Kulturszene. Seine Konzerte zogen die Elite der Stadt an, sein Chor sang so eindrucksvoll, dass selbst der Straßenlärm verstummte. Und dann wurde seine Musik ausgelöscht – aus dem Raum, aus dem Gedächtnis, aus den Partituren. Bis jetzt.

Was man heute auf dieser Schallplatte hören kann, ist das Ergebnis monatelanger Forschungsarbeit – beinahe kriminalistischer Spurensuche – von Jakub Stefek und Lilianna Krych. Zwei Künstler*innen, die nicht nur die Noten Ajzensztadts gelesen, sondern sie auch neu gehört haben. Und sie wieder zum Klingen gebracht haben – dort, wo sie hingehören: Im Herzen des einst jüdischen Warschaus.

Das ist Musik, die nach Hause zurückkehrt.

Auch wenn die Große Synagoge in der Tłomackie-Straße längst nicht mehr existiert – ihr Klang hat überlebt. Ajzensztadt komponierte für diesen Ort, für diese Gemeinschaft, für diese Stadt. Und obwohl kein Stein von ihr geblieben ist – außer einer verbogenen Garderobenmarke – lässt uns seine Musik sie neu entstehen. Wie ein klangliches Archiv, das statt aus Mauern und Ziegeln aus Atem, Emotion und Resonanz gebaut ist.

Durch die Arbeit des Match Match Ensemble und den Einsatz des Harmoniums – eines Instruments, das den Chören jener Zeit zur Seite stand – gelang nicht nur eine klangliche Annäherung an die Epoche, sondern auch eine Rückkehr zu ihrem Geist. Denn es ging nicht um historische Rekonstruktion. Es ging um Erfahrung – gemeinsame, menschliche, tief berührende.

Was man auf dieser Schallplatte hört, sind nicht nur Töne aus Notenblättern. Es sind auch Geschichten, eingeschrieben in Sprache – ins Jiddische und Hebräische, mit ihren für uns fremden Lauten und ungewohnten Melodien. Es sind persönliche Erinnerungen – familiär, schmerzhaft, bruchstückhaft – wie die Geschichte von Liliannas Großmutter, die aus dem Ghetto flüchtete, zwei Jahre barfuß im Wald überlebte, aber mit einer unvorstellbaren Lebenskraft.

Dies ist eine Schallplatte, die mit Stimmen spricht, die nicht mehr leben – aber noch immer gehört werden wollen.

Die Große Synagoge lässt sich nicht wieder aufbauen. Aber man kann dafür sorgen, dass sie wieder klingt. Und auch wenn heute der Blękitny-Wolkenkratzer an ihrer Stelle steht – ist diese Musik ihr lebendiger Schatten. Ein Klang, der die Welt wieder aufbaut, wenn auch nur für einen Moment. Doch das genügt, um zu spüren, dass das Erinnern weiterlebt – und dass die Zukunft daraus schöpfen kann.

_DSC1455.jpg

Das Projekt wird vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe aus Mitteln des Fonds für Kulturförderung kofinanziert

ministry of culture and national heritage republic of poland

@ SPOT.ON ART Stiftung WWW.SPOTONART.COM 2025

bottom of page